Monatsimpuls von Pater Augustine Vallooran vom Divine Retreat Centre Kerala

 

"Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe"(Joh. 13,34)

 

(Von P. Augustine Vallooran VC)


Der britische Physiker Isaak Newton formulierte das Gesetz der Bewegung: Jede Aktion hat eine gleiche und eine gegensätzliche Reaktion. Er schrieb dieses Prinzip den Bewegungen in der Materie zu. Im Großen und Ganzen findet sich dieses Prinzip auch im Verhalten der Tiere wieder. Wenn jemand einen Hund irritiert, wird das Tier kommen und ihn herausfordern. Wenn sich aber jemand liebevoll verhält, wird das Tier auch freundlich sein. Unglücklicherweise diktiert dieses Prinzip von Aktion und Reaktion oftmals auch das menschliche Verhalten. Wir neigen dazu, mit den Menschen Umgang zu pflegen, die uns ermutigen und unterstützen.  Auf der anderen Seite meiden wir diejenigen, die für uns unannehmbar scheinen. Als Ergebnis dessen setzen sich Hass und Gewalt, Konflikte und Krieg auf beiden Ebenen fort, sowohl auf der persönlichen Ebene als auch in der Gesellschaft im Großen.

 

„Er vergilt uns nicht nach unserer Schuld“ (Ps. 103,10)

 

Doch Jesus hat für das menschliche Verhalten ein anderes Gesetz formuliert. Er nannte es „das neue Gebot“: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“(Joh. 13,34). Er wollte, dass wir mit den anderen so umgehen, wie er es mit uns getan hat. Barmherzigkeit und Gnade waren immer seine Antwort auf die Anmaßung des sündigen Menschen. Die Evangelien geben uns offensichtliche Belege über das innere Feuer der rettenden Liebe, die sein Verhalten prägte. Als er mit Nikodemus sprach, machte Jesus den Sinn seines Kommens in diese Welt sehr deutlich. Er war vom Vater gesandt, um sicherzustellen, dass niemand verloren ginge. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“

(Joh. 3,16). Er war dazu bestimmt, dass niemand, der zu ihm kam und an ihn glaubte, verloren gehen sollte. Die Art, wie die Anderen mit ihm umgingen, war kein Kriterium für ihn, wie er mit ihnen umging. Seine Worte und Taten waren keine sinnlosen Reaktionen, sondern klare konstruktive Antworten in einer Linie mit der Mission, jeden zu retten.

Dieses Geheimnis wurde während des Letzten Abendmahles deutlich. Während er mit seinen Aposteln beim Paschamahl saß, stand er vom Stuhl der Autorität auf, legte sein Gewand der Lehrerschaft ab und legte die Kluft des demütigen Dienstes an. Er kniete sich zu Füßen seiner Jünger nieder und wusch die Füße jedes Einzelnen ohne ein Wort. Als er zu Füßen des Simon Petrus mit der Waschschüssel niederkniete und begann, sie zu waschen, war Petrus überwältigt. Als er spürte, wie das kalte Wasser über seine Füße floss, protestiert er und sagte: „Niemals sollst du mir die Füße waschen“ (Joh. 13,8). Die Antwort Jesu war sehr bemerkenswert: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“. Es ist wichtig, die Bedeutung der Äußerung des Herrn zu verstehen. Seit Jesus Simon Petrus berufen hatte, war er ein Teil des Lebens Jesu gewesen.

 

Doch durch die Sünde der Verleugnung war dieses Privileg von ihm verloren, da die Sünde den Menschen von Gott trennt. Jesus wollte nicht, dass Simon Petrus in irgendeiner Weise von ihm getrennt ist, obwohl Simon ihn verleugnen würde. Aus diesem Grunde wusch Jesus die Sünde von Simon ab, bevor er diese Sünde beging. Es ist sehr relevant, zu begreifen, dass die Fußwaschung nicht nur ein Akt des demütigen Dienstes war, sondern ein maßgeblicher Akt der Rettung. Jesus rettete Simon von der Sünde, da es die Bedeutung seiner Menschwerdung war, sicherzustellen, dass niemand verloren geht. Jesus wiederholte diese rettende Tat mit jedem anderen Jünger, denn obschon sie den Herrn ablehnen und wegrennen würden, sollte ihre Sünde ihr Ziel weder beeinflussen, noch sie von Jesus abtrennen.

 

„Jeder, der liebt, stammt von Gott“ (1 Joh. 4,7)

 

Nachdem er dieses große Geheimnis seiner Liebe offenbart hatte, das seine Taten leitete, verlangte er, dass dieses selbe Geheimnis der Liebe die treibende Kraft auf unserem Weg der Beziehung mit Anderen sein sollte. „Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh. 13, 13-15). Die Bedeutung des Kommens Jesu in die Welt sollte von jedem Jünger adoptiert werden. Dafür hat er seine Jünger erwählt. Als er Simon Petrus berief, erklärte er seine Intention: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen“

(Mt. 4,19). Die Mission der Rettung, für die Jesus auf dieser Erde geboren wurde, sollte von all jenen, die ihm nachfolgen als  die Bedeutung ihres Lebens angenommen werden.

Als Jesus seinen Jüngern die verzeihende Liebe als neues Gebot gibt, beabsichtigt Jesus, jedem folgendes zu sagen: Wenn ihr verletzt seid, dann müsst ihr hingehen und euch versöhnen, denn dieses bewirkt Rettung im Leben dieser Person. Dem Jünger ist nicht erlaubt, auf Verletzungen zu reagieren, indem er Ärger und Hass in sich verbirgt. Ihre Antwort soll sein, zu ihnen zu gehen und demütig zu sein wie Jesus es beim Waschen der Füße war, um sicherzustellen, dass die Sünde des Anderen ausgelöscht ist. Jesus lehnt das Verhaltensmuster von Aktion- Reaktion in menschlichen Beziehungen ein für alle Mal ab. Ich verhalte mich dem Anderen gegenüber nicht so, wie der Andere sich gegenüber mir verhält, sondern so, wie Jesus es mir durch sein Beispiel gezeigt hat.

 

„Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten“ (Joh. 12,47)

 

Im Leben Jesu sehen wir viele Begebenheiten, wo sich dieser neue Stil der Beziehungen durch die Lehre Jesu manifestiert. Im Johannesevangelium lesen wir, wie die samaritische Frau mit Gleichgültigkeit und Hochmut zu Jesus spricht (Joh. 4). Jesus wurde jedoch vom Feuer in seinem Herzen geleitet, um sicherzustellen, dass sie gerettet ist. Jesus sah in ihr ein göttliches Kind, das Gott zu ihm gesandt hatte, um es zu retten.

 

Das Erbarmen Jesu war durch seine Worte so deutlich, dass er ihr Vertrauen gewann, um sie der Sinnlosigkeit ihres sündigen Lebensstils zu überführen. Es wurde eine solch befreiende Erfahrung für sie, dass sie eilte, um Jesus als den Retter der Menschheit zu verkünden.

Obwohl der gute Schächer am Kreuz den gekreuzigten Herrn herausgefordert hatte und ihn zunächst verachtet hatte, konnte man durch die Antwort Jesu in Gnade und Liebe eine Verwandlung seiner Einstellung sehen (Lk. 23,42). Er wandte sich Jesu zu und bekannte seine Unwürdigkeit; er suchte das Paradies und wurde gerettet.

Der Hauptmann, der die Soldaten in ihrer Grausamkeit gegen den Herrn anwies, war überwältigt von der hingebenden Liebe Jesu, die er im Gebet, Jedem zu vergeben ausdrückte (Lk. 23,34). Er bekannte am Fuß des Kreuzes, dass Jesus der Sohn Gottes war. „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!(Mt. 27,54).

Die Evangelien erzählen uns, dass Jesus laut aufschrie und seinen Geist aushauchte (Mt. 27,50). Zuerst mag sich das für uns wie eine Klage über sein Leiden anhören. Bibelschüler jedoch erklären uns, dass das Wort, was hier benutzt wurde, vorgesehen ist, um einen Siegesschrei zu beschreiben. Die römischen Generäle, welche die Truppen von der Front wegführten, würden sofort laut für alle Soldaten am Schlusslicht schreien, damit diese hörten, dass der Krieg gewonnen war. Dieses ist der Begriff, der von den Evangelisten ausgewählt wurde, um den Schrei Jesu zu beschreiben. Jesus versicherte seinem Vater, dass die Mission vollendet war. Bereits beim Letzten Abendmahl hatte Jesus zum Vater gebetet: „Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt“ (Joh. 17,12). Niemand, den der Vater ihm gesandt hatte, war verloren. Durch das Paschamysterium rettete er Jeden, der sich ihm zugewandt hatte.

 

„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute“ (Röm. 12,21)

 

Während Exerzitien kam ein Mann zu mir. Er war sichtbar durcheinander. Er sagte mir, er wäre auf dem Weg, seine Scheidung einzureichen. Er bekannte, dass er gleichzeitig innerlich unruhig wurde, wenn er daran dachte, was er anstrebte. Er erzählte mir von der Zeit, wo sie tief verliebt gewesen waren. Sie war eine Lehrerin. Eines Tages bemerkte er auf ihrem Handy eine Botschaft, die in sehr intimen Worten ausgedrückt war. Er stellte sie deshalb zur Rede. Sie erklärte mir, dass die Person, zu der sie die Nachricht gesandt hatte, ein Mitarbeiter war. Sie meinte, es sei eine kollegiale Beziehung und er sei so hilfsbereit. Doch der Ehemann war nicht davon überzeugt, warum eine professionelle Beziehung sich mit einer solchen Zärtlichkeit ausdrücken sollte. Sie versuchte ihm zu erklären, dass es nichts Sündiges in dieser Beziehung gab und sie bereute die unvorsichtigen Worte, die sie bei der Kommunikation gebraucht hatte. Doch je mehr sie versuchte, es zu erklären, umso irritierter wurde er und dann wurde er wütend. Es endete in einem hässlichen Streit. Sie fühlte sich sehr abgelehnt und verletzt und sie ging zurück zu ihren Eltern. Jetzt lebten sie seit mehr als drei Jahren getrennt. Keiner machte einen Versuch, den anderen zu kontaktieren. Es gab keinerlei Kommunikation zwischen den beiden.

 

Ich sagte ihm, was immer zwischen ihnen passiert war, trug die Visitenkarte des Teufels, der sie trennen wollte. Und sie waren beide in diese sündige Falle getappt. Gott hatte sie zusammengeführt und nun arbeiteten sie mit dem Feind Gottes zusammen. Ich erklärte ihm, dass dieses eine dringende Mission sei und er alles tun müsse, um seine Ehe zu retten. Er fand dieses unzumutbar und argumentierte damit, dass es doch sie gewesen war, die eine unüberlegte Nachricht geschickt hatte. Letzten Endes hatte sie doch sein Leben verlassen und deshalb wäre es ihre Verantwortung zurückzukommen und um Entschuldigung zu bitten. Ich machte ihm deutlich, dass seine Gedanken mit denen der Welt konform waren. Doch der Weg des Herrn ist ein Anderer. Auch als Simon Petrus ihn verleugnete und die Apostel ihn verließen, war es Jesus, der die Initiative ergriff und ihnen demütig die Füße wusch und sie von ihrer Sünde reinigte. Jesus war seiner Mission zu retten, tief hingegeben. Das eine Gebot, das Jesus uns gegeben hat, ist es, ihm auf dem Weg der verzeihenden Liebe zu folgen.

 

Dieser Mann fuhr fort, seine tiefen Verletzungen über all das, was geschehen war auszusprechen und beharrte darauf, dass es ihre Arroganz war, welche die Scheidung bewirkt hatte. Ich erklärte ihm, wenn wir auf einer rettenden Mission sind, sind wir nicht damit beschäftigt, irgendjemanden zu verurteilen. Ich machte ihm klar, dass Gott auf ihn gewartet hat, damit er seinem Wort folge und dieser Gott ihn nicht ablehnen wird. Ich betete mit ihm. Der Heilige Geist bewegte sein Herz und er konnte die Kraft des Heiligen Geistes spüren, der seine Einstellung veränderte. Er nahm den Auftrag, seine Ehe zu retten an. Er ging zu ihrem Haus und lud sie zu Exerzitien ein. So machten sie beide zusammen Exerzitien und nahmen einander neu an. Sie vergaßen alle Verletzungen der Vergangenheit.

 

Verzeihende Liebe rettet Beziehungen. Die böse Absicht des Teufels ist es, Streitigkeiten zu bringen und Beziehungen zu zerstören. Dieses war die erste Versuchung. Als der Teufel ins Paradies eintrat und erfolgreich war, die Menschen gegen Gott rebellieren zu lassen, war das erste, was Adam tat, seine Frau anzuklagen. Als Gott ihn fragte, warum er ungehorsam gewesen war, gab er seine Frau als Grund dafür an. Dasselbe geschieht in allen anderen Beziehungen auch. Daher die Warnung des Heiligen Paulus: „Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum!“ (Eph. 4,26+27) Es könnte beunruhigende Probleme in Beziehungen geben. Jeder ist gewarnt, dass solche Störungen nicht in Zorn münden sollen. Daher die Lektion vom Letzten Abendmahl. Auch als Jesus von seinen Jüngern verletzt wurde, gestattete er seinem verletzten Gefühl nicht, eine Spaltung zu verursachen. Er ergriff die Initiative, jede Anspannung durch Groll und Gram abzuwaschen. Dieses ist das neue Gebot, das der Herr uns, seinen Jüngern, gegeben hat.

 

 

 

Gebet:

Herr Jesus, wir leben in einer zerbrochenen Welt, inmitten von angespannten Beziehungen. Wir können die Anderen nicht verstehen und annehmen und wir sind schnell verletzt, ärgerlich und verzweifelt. Wir haben gefehlt, gemäß deinem Wort und Beispiel zu handeln. Salbe uns mit deinem Heiligen Geist der Liebe, um Botschafter der Versöhnung zu sein, damit wir dein Reich in diese Welt bringen können. Lass die ganze Welt an unserer Liebe zueinander erkennen, dass wir deine Jünger sind. Amen.

 

 

 

 

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