Monatsimpuls von Pater Augustine Vallooran vom Divine Retreat Centre Kerala

 

 

 

Zur Freiheit hat uns Christus befreit" (Gal. 5,1)

(Von P. Augustine Vallooran VC)

 

 

Die Feier der Freiheit hat ihre Bedeutung im Monat August. Am fünfzehnten ist das 71. Jubiläum der Freiheit unseres Vaterlandes. Mit viel Pomp wird dieser Unabhängigkeitstag im ganzen Land begangen. Am selben Tag begeht die Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt. Diese zwei Feste verkünden eine Botschaft und zwar die der Befreiung.

 

„Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Jesus Christus hat dich frei gemacht“ (Röm. 8,2)

 

Was das Land feiert ist eine politische Befreiung aus der Fremdherrschaft. Wir verstehen dieses als Unabhängigkeit, um unsere eigenen Interessen für die Entwicklung des Landes und das Wohlergehen der Bürger zu bestimmen. Gandhi und die anderen hochwürdigen Führer der Unabhängigkeitsbewegung hatten eine größere Vision der Freiheit. Sie wollten, dass jeder Bürger des Landes von dem Bösen der Ungerechtigkeit, der Ignoranz und der Korruption befreit wird, damit sie eine wahrhaftig freie Existenz leben konnten.

 

Diese Vision findet seinen Ausdruck im Gebet von Tagore:

 

                                            

Wo der Geist ohne Furcht ist,

das Haupt man hoch trägt,

wo Erkenntnis frei ist,

wo die Welt nicht zum Bruchstück
von engen, häuslichen Mauern wird.

 

Wo Worte aus Tiefen der Wahrheit kommen,

wo unermüdet das Streben den Arm

zur Vollkommenheit ausstreckt.

 

Wo der klare Strom der Vernunft seinen
Weg nicht verliert in dem trockenen
Sand der Gewohnheit.

 

Wo der Geist, von dir geleitet, zu immer

sich weitendem Denken und Handeln geführt wird.

 

Zu diesem Himmel der Freiheit, laß,

Vater, mein Land du erwachen!

 

 

 

Leider bleibt Freiheit in diesem Sinne ein weit entferntes Ziel. In diesem Kontext wird jedoch das Gedenken an die Himmelfahrt von Mutter Maria lebendig. Am Ende ihrer Erdenreise, wurde sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Ihr Körper war in ihrem ganzen

 

Leben nie von der Sünde befleckt, warum er in Himmel aufgenommen werden konnte, ohne dass er unter der Zerstörung des Staubs der Erde leiden musste. Denn in Wirklichkeit ist es die Sünde, die zerstört. Doch in ihr gab es keine Sünde. Bereits vom ersten Moment ihrer Empfängnis im Schoß ihrer Mutter war sie unbefleckt. Das war natürlich das Werk der reinen Kraft und Großzügigkeit der von Gott geschenkten Gnade. Tatsächlich war das nötig, denn aus ihrem Leib würde der Leib des Sohnes Gottes geformt werden. Mutter Maria wirkte von ihrer Seite mit der Gnade Gottes mit und lebte ein Leben der Treue zu diesem Ruf der Reinheit. Ihr Leben war frei von jeglichem Zwang der Sünde. Ihr Leib und auch ihr Geist waren immer rein und mit Gnade erfüllt. Deshalb der Gruß des Engels: „Gegrüßet seist du Maria! Voll der Gnade“ (Lk. 1,28). Dieses ist die höchste und wahrste Form der Freiheit, auf die alle von uns hoffen sollten. Wenn wir diese Freiheit unserer Mutter Maria am gleichen Tag feiern, an der auch der Unabhängigkeitstag unseres Landes ist, dann ist unsere Hoffnung und unser Gebet, dass alle Mitbürger, angefangen bei uns selbst, diese absolute Freiheit als Ziel ihres Lebens anstreben.

 

„Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde“ (Joh. 8,34)

 

Was der Herr der Menschheit mit seinem Kommen angeboten hat, ist eine radikale Freiheit, die mit einer inneren Befreiung beginnt. Er versicherte uns dieses: „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei“ (Joh. 8,36). Bei seiner ersten Predigt in der Synagoge in Nazareth, hob Jesus diese Freiheit hervor, indem er den Propheten Jesaja zitierte: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk. 4,18+19). Die Frohe Botschaft, die Jesus predigte, war Freiheit für die Gefangenen, Blinden und Unterdrückten. Er beschloss diese Predigt ausdrücklich, indem er sagte: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (V. 21). Ganz am Beginn seines Dienstes bietet er sich selbst als Retter an, der gekommen ist, um alle aus jeglicher Form der Sklaverei zu retten, sei sie nun subtil oder tief verwurzelt. Wenn der Herr von den Gefangenen spricht, den Blinden und Unterdrückten, dann meint er nicht drei verschiedene Gruppen von Menschen, sondern spricht von den drei Arten der Sklaverei, die Jeder von uns kennt.

 

Im Johannesevangelium offenbart der Herr, was Sklaverei wirklich ist: „Amen, amen, das sage ich euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde“ (Joh. 8,34). Sklaverei ist nicht nur die äußere Bindung durch Fesseln, sondern es ist vielmehr der innere unwiderstehliche Zwang zum Bösen. Diese innere Unterwerfung unter die Mächte des Bösen wird die Innere Person konstant bedrängen und sie zur Sünde hinführen. Jesus hob hervor: „Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein“ (Mk. 7, 21+22).

 

Nachdem Jemand gesündigt hat, hat er noch immer zwei Möglichkeiten, er kann entweder bereuen oder sich rechtfertigen. Jede Sünde, die gerechtfertigt wurde, wird als eine noch größere Versuchung zurückkommen und dann wird man keine Willenskraft mehr haben, dieser zu widerstehen. Er wird immer wieder in diese Sünde zurückfallen. Das führt dann in eine Abhängigkeit zur Sünde, welche der Hl. Paulus auch die Kraft des Gesetzes der Sünde nennt. Er schreibt über ein Herz, das in der Sünde versklavt ist und an einer Kreuzung steht: „Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will…; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, von dem meine Glieder beherrscht werden“ (Röm. 7, 19+23).

 

Dieses führt zu der Blindheit, von der Jesus spricht. „Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse“ (Joh. 3,19). Diese geistige Blindheit ist die bewusste Ablehnung, das Licht der Wahrheit anzunehmen. In diesem Sinne nennt Jesus die Pharisäer blinde Führer: „Lasst sie, es sind blinde Blindenführer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen“ (Mt. 15,14). Aus diesem Kreislauf der Sünde will Jesus uns retten. Als er von der Befreiung spricht, die Jesus uns bringen will, ruft der Hl. Paulus aus: „Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? Dank sei Gott durch Jesus Christus unseren Herrn!“ (Röm. 7,24+25).

Begeistert fährt er fort zu erklären, dass die Befreiung, die Jesus Christus uns anbietet ganzheitlich ist. „Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm. 8, 1+2). Wir sind von jeder Schicht des Fluches der Sünde befreit. Das Wort Gottes fordert uns heraus, uns aus der unbedeutenden Existenz der Sünde durch die Verdienste Jesu Christi zu einem göttlichen Standard hin, zu erheben. Wenn wir es wagen, an den Sieg Christi zu glauben, dann können wir es auch wagen, in der Kraft von Gottes eigener Heiligkeit zu leben. Der Hl. Paulus hebt noch hervor, dass dieser Durchbruch für diejenigen ist, die „in Christus Jesus“ sind. Das bedeutet, dass wir in Christus Jesus einverleibt sein sollen oder eins mit dem Leib des Herrn werden sollen. Das ist es, was Jesus selbst uns anbietet, er lädt uns ein, die Reben zu sein, die in ihm bleiben, dem wahren Weinstock (Joh. 15). Der Hl. Paulus klärt diese Verbindung mit einer anderen Parabel von Jesus als dem Haupt und wir den Gliedern seines Leibes (1 Kor. 12,27). Diese lebendige Einheit mit Jesus beginnt in dem Moment der Taufe. Alle Flüche der Sünde, die wir aufgenommen haben, fließen in Jesus und sein Heiliger Geist fließt in uns und macht uns zu einem Leib mit ihm.

 

„Handelt als Freie“ (1 Petr. 2,16)

 

In bestimmten Fällen hören wir, dass Flüche von den Vorfahren von einer Generation zur nächsten in einer Familie weitergehen. Man kann sagen, dass der sündige Lebensstil eines Individuums die Kinder beeinflusst. Die Konsequenzen der Sünde treffen die gesamte Familie. Doch wer eine absolute Hilflosigkeit eines Einzelnen auf die sündigen Einflüsse der Eltern oder Vorfahren zurückführt, der negiert das Opfer Christi, welches er jeder menschlichen Person angeboten hat. Es gibt Menschen, die belügen sich selbst und die Wahrheit ist nicht in ihnen. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist er treu und gerecht und wird uns unsere Sünden vergeben und uns von allen unseren Fehlern reinwaschen (1Joh. 3,8+9).

 

„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor. 3,17)

 

Das Zeugnis eines jungen Mannes führt uns vieles vor Augen. Er wurde sehr streng erzogen und verwandelte sich als Jugendlicher in einen Rebellen. Seine Anklage war, dass ihm in den ersten Jahren seines Lebens keine Freiheit gegeben wurde. Er fühlte sich durch die Atmosphäre daheim unterdrückt. Er fand, dass ihm nie erlaubt wurde, er selbst zu sein und das Leben war alles andere als ein Genuss. Um der Wut seiner Eltern zu entgehen, verstellte er sich und log oft, um seine Wege vor seiner Familie zu verbergen. Als er nun allein im Studentenwohnheim lebte, ging er mit dem Kopf voran, um seine Träume der Freiheit auszuleben. Er entschied dich für Freunde, von denen es schien, dass sie der gleichen Idee eines total verantwortungslosen Lebens nachlaufen wollten. Er fühlte sich so frei in der Gemeinschaft seiner Freunde, die ihn auf krumme Lebenswege führten. Schon bald war er in verschiedene sündige Gewohnheiten verfallen. Der Zwang, sich diesen Abhängigkeiten anzuschließen, war so groß, dass er bald erkannte, dass er komplett von seinem Studium abgeschweift war. Er konnte nur wahrnehmen, dass seine Wege des zügellosen, willkürlichen Lebens auch verschiedene Andere nachteilig beeinflusste und es keinen Fortschritt zu einer guten Zukunft für ihn gab. In dieser verzweifelten und verwirrten Haltung kam er zu den Exerzitien. Ich erklärte ihm, obschon er frei von jeglichem äußeren Zwang war, er den inneren Bedrängnissen des Bösen versklavt war. Diese Mächte des Bösen zogen ihn vom Ziel seines Lebens weg. Deshalb war er nun ein Sklave auf dem Weg der Zerstörung. Ich versicherte ihm, dass Gott allein ihm diese Freiheit zusichern konnte, nach der er sich so sehnte und er wollte ihm die Fülle des Lebens geben, nach der er auf den falschen Wegen der Sünde gesucht hatte. Er überantwortete sein Leben in die Hände des Herrn und legte eine aufrichtige Beichte ab. Er erfuhr die Freiheit, die Jesus verheißen hat. Er erzählte mir, dass er sich so viel leichter fühlte, doch drückte er auch seine Besorgnis darüber aus, dass dieses nur eine vorübergehende Gnade war. Ich las ihm die Worte des Hl. Paulus vor: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal. 5,1). Freiheit ist das Ziel, das Christus für alle die sichergestellt hat, die sich ihm zuwenden. Während die Angebote und Vergnügungen der Welt eine Illusion sind, ist Gottes Wort verlässlich, das versicherte ich ihm. Er ging, um sein Studium mit Verantwortung fortzusetzen.

 

 

 

Politische Führer und Philosophen haben immer lautstark die Freiheit des Menschen gefordert. Jean Paul Sartre sagte, dass Freiheit das menschliche Individuum ausmacht, sie unterscheidet ihn vom Zustand des Todes. Traurigerweise ist die Erklärung der Freiheit von diesen Denkern auf eine oberflächliche Erlaubnis limitiert, das zu tun, was man tun will. Es ist eine Freiheit ohne die Hingabe an die Anderen und sich selbst. Sartre sagte auch, dass der Andere die Hölle ist. Eine Freiheit, die Jemanden von seinen Beziehungen zu Anderen und zu Gott isoliert, ist definitiv keine lebensspendende Freiheit. Freiheit ist die innere Stärke, die Jemanden befähigt, sein Leben Gott und dem Nächsten hinzugeben. Das steht im Kontrast zu der Fessel der sündigen Abhängigkeit. Diese versklavt, damit die Person ihren selbstsüchtigen Durst stillt, der doch niemals gestillt werden kann. Tatsächlich ist Freiheit eine Kraft der Selbstbestimmung, die alle inneren Bedrängnisse der Abhängigkeit des Bösen überwindet und den Geist freisetzt, sich in große Höhen aufzuschwingen. Weil Mutter Maria frei von Sünde war, konnte sie ihr Leben Gott schenken: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort (Lk. 1,38). Diese vollkommene Hingabe an Gott befähigte sie, der Welt den Retter zu geben. Sie war so offen für Gott, dass ihr Herz für die Nöte der nächsten Menschen sehr sensibel war. Als es in Kana das Problem gab, das die Hochzeitsfeier hätte beenden können, erkannte sie die Lage und trat an Jesus heran, was Jesus befähigte, auf wunderbare Weise einzugreifen. Ein Mensch der Freiheit ist ein Mann und eine Frau Gottes und auch ein Mensch für Andere.

 

Gebet

Danke Herr, für deine große Liebe zu uns, die du uns vorstellst und die uns unaufhörlich dazu einlädt, die wahre Freiheit des Geistes zu erfahren. Wir danken dir, dass du uns Mutter Maria als ein Vorbild der Freiheit geschenkt hast. Als sie sich selbst in deine Hände gab, damit dein Wille immer in ihrem Leben geschehe, war ihr Herz ganz offen, die ganze Menschheit als ihre Kinder anzunehmen. Schenke uns die Gnade von ihr den wahren Geist der Freiheit zu lernen. Wir beten für unser Land, dass unserer Führer fähig sein mögen, unser Land zu einem Zufluchtsort der Freiheit zu machen, wo sich alle als Brüder und Schwestern respektieren und annehmen. Amen.

 

 

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