Monatsimpuls von Pater Augustine Vallooran vom Divine Retreat Centre Kerala

 

Ihr seid zur Freiheit berufen (Gal. 5,13)

 

 

Im Monat August feiern wir die Freiheit. Wir in Indien gedenken der Unabhängigkeit, die wir im Jahr 1947 nach einem heroischen Kampf empfangen haben. Die Führer unserer Nation haben für dieses große Privileg gekämpft und einen schweren Preis mit vielen Opfern über eine lange Zeit bezahlt. Diese Freiheit, die unsere Nation genießt ist die Frucht von ihren entschiedenen Bemühungen. Wir sind nicht mehr Sklaven irgendeiner fremden Vorherrschaft. Es ist nennenswert, dass Mahatma Gandhi, der Vater unserer Nation, welcher die Unabhängigkeitsbewegung anführte, eine höhere Vision der Freiheit hatte. Er forderte, dass das Land nicht nur nach politischer Freiheit von fremder Vorherrschaft streben sollte, sondern auch jeder indische Bürger fortfahren sollte, um Befreiung von inneren Zwängen der bösen Mächte zu kämpfen. Er erklärte, wenn alle unsere Landsmänner diese innere Freiheit erreicht haben, dann wird die politische Freiheit wie eine reife Frucht in unseren Schoß fallen. Er sah den Kampf um Unabhängigkeit als eine immerwährende Bewegung, die im Herzen eines jeden Inders aufgenommen werden musste. Während wir die Unabhängigkeit unseres Landes feiern, ist es gut für uns, uns ehrlich zu prüfen, ob wir dieses höhere Ideal der wahren geistlichen Freiheit erreicht haben.

 

„Durch Jesus wird jeder, der glaubt, gerecht gemacht“ (Apg. 13,39)

 

Für uns Christen ist die geistige Freiheit das Ziel des Lebens. Am fünfzehnten dieses Monats feiern wir das Ziel, das vollkommen von unserer Mutter Maria erreicht worden ist. Das Fest der Himmelfahrt ist die Freude über die Ehre, die unserer Mutter zuteil geworden ist. Am Ende ihrer himmlischen Reise wurde sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Weil sie vom ersten Moment ihres Lebens an ohne Sünde war, war nichts in ihr zerstört. Diese Unbefleckte Empfängnis hatte sie nicht durch Leistung erworben. Sie war ihr wegen der besonderen Gnade Gottes geschenkt worden, der sie für eine Mission erwählt hatte- die Mutter des Sohnes Gottes zu sein, der Mensch wurde. Und sie stimmte diesem Angebot und diesem Privileg, das ihr gegeben wurde, mit ganzem Herzen zu. Ihr Leben war eine immerwährende Selbsthingabe an Gott, vom Moment der Verkündigung an: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk. 1,38). Das Wort Gottes war immer das Fundament ihres Lebens. Deshalb konnte die Zerstörung der Sünde ihr nichts anhaben. Ihre herrliche Himmelfahrt war der Höhepunkt ihres Lebens, das von vollkommener Befreiung von Sklaverei und ohne Sünde geprägt wurde.

 

 

Von ihrem Leben lernen wir, was authentische Freiheit ist. Freiheit ist nicht nur eine Freiheit nach Wahl, eine Lizenz das zu tun, was wir wollen ohne äußere Begrenzungen. So wie das Wort uns konstant erinnert: „Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!“ (Gal. 5,13). Wahre Freiheit kommt aus dem Geist. Es ist ein Fehlen der unheiligen Zwänge, die aus dem Herzen kommen. Es ist immer eine spontane Fähigkeit, zu wählen was richtig und gut ist. Ein langjähriger Alkoholiker ist nicht frei, weil der Zwang zu trinken ihn überwältigt und ihn wahllos lässt, weil er seinem Zwang gehorchen muss. Eine habgierige Person wird immer mit dem, was sie hat, unzufrieden sein und nach allem begehren, was sie sieht. In diesem Sinne hat Jesus gesagt: „Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde“ (Joh. 8,34). Das Fundament der Sklaverei ist die Abhängigkeit, in welche das Böse uns bringt.

Aufgrund unseres Bekenntnisses zu Jesus sind wir von allen bösen Mächten befreit. Jesus versichert: „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei“ (Joh. 8,36). Die Freiheit von der Jesus spricht ist die innere Freiheit des Herzens, die uns bestärkt, für ihn zu leben. Der Hl. Paulus erklärt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal. 5,1) Dies ist eine Warnung, dass obwohl Jesus die Freiheit für uns gewonnen hat, das Joch der Sklaverei wieder in unsere Herzen fallen könnte. Deshalb ist eine immerwährende Wachsamkeit die absolute Voraussetzung um die Unterdrückung des Bösen auf Abstand zu halten, das danach sucht, uns zu überwältigen.

 

„Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm. 8,2)

 

Der Hl. Paulus spricht von dem Kampf im Herzen eines jeden Menschen. „Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse“ (Röm. 7,15). Die Kräfte der Sünde haben ihren Weg in die Herzen der Menschen gefunden, und sie treiben ihn an, das Böse zu tun, das er nicht tun will. Wie die Schrift sagt: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren“ (Röm. 3,23).

Der Hl. Paulus spricht über zwei Kräfte, die das menschliche Verhalten beeinflussen. Er nennt sie „das Fleisch“ und „den Geist“. Mit Fleisch meint er nicht nur die Kraft der Lust, die zu sexuellen Sünden führt. Im Brief an die Galater beschreibt er eine Liste der Sünden des Fleisches zusammen mit Ehebruch und Unzucht, er spricht über Götzendienst, Hass, Eifersucht, Rivalitäten und Zwietracht. Deshalb ist das Fleisch der Teil unserer menschlichen Natur, welches der Sünde eine Gelegenheit gibt. Tatsächlich ist es die menschliche Natur, die ohne den Heiligen Geist ist.

 

 

Das Privileg eines Christen ist es, vom Heiligen Geist geführt zu sein. Der Heilige Geist befähigt uns, über die Diktatur des Fleisches hinauszuwachsen, um den Willen Gottes zu tun. Weil uns der Heilige Geist gegeben ist, sind wir nicht länger hilflose Opfer der Macht des Fleisches. Der Heilige Paulus sagt uns: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist der ruft: ABBA, VATER. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott“ (Gal. 4,6). Diese Freiheit der Kinder Gottes ist das Privileg, das wir durch die Taufe empfangen haben.

 

„Er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, wird auch euren sterblichen Leib lebendig machen“ (Röm. 8,11)

 

In dem Moment, in dem die Kraft des Heiligen Geistes in unserer Seele schwach wird, wird die Kraft des Fleisches beginnen, uns zu kontrollieren. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der mir seine religiöse Erfahrung mitteilte. Er erzählte mir, dass er eine sehr hitzköpfige Person war. Wenn ihn irgendetwas störte, war er aufbrausend und schrie Andere an. Später bereute er seinen Ausbruch, doch schon bei der nächsten Gelegenheit wiederholte sich dieses Verhalten. Er hasste sich wegen dieser unangenehmen Eigenschaft, die viele Menschen verletzte und seine Gegenwart für Andere nicht willkommen machte. Er kam zu den Exerzitien und er begriff, dass er ein hilfloses Opfer der Diktatur des Fleisches war. Er übergab diese gottlose Eigenschaft dem Herrn und bat Gott, ihn mit dem Heiligen Geist zu erfüllen. Als er die Exerzitien verließ, spürte er jedes Mal, wenn ihn der Ärger überkommen wollte, eine machtvolle Inspiration vom Heiligen Geist. Er nutzte jede dieser Gelegenheiten, um in Demut zu beten und wartete auf eine frische Salbung des Heiligen Geistes. Nach und nach konnte er bei sich eine Verwandlung seines gewohnten Verhaltens erfahren.

Jesus sagte, wenn einer dich auf die eine Wange schlägt, dann dreh dich zu ihm und halte ihm auch die andere Wange hin (Lk. 6,29). Das hört sich praktisch unmöglich an. Wenn mich jemand verletzt, ist meine natürliche Reaktion zurückzuschlagen, weil ich mich gedemütigt und entwürdigt fühle. Ich finde es notwendig, mich zu rächen, um meine Ehre wiederherzustellen. Diese Reaktion, natürlich und spontan, kommt tatsächlich von meinem Ego, welches Selbstzentriert ist. Der Heilige Geist kann uns befähigen, dieses sündige Ego zu überwinden und Gott- Zentriert zu werden. Aus dem natürlichen Ich hin zu einem übernatürlichen.

 

„Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor. 3,17)

 

Es gibt ein deutliches Beispiel der Jünger Jakobus und Johannes im Evangelium. Sie waren in der Gegenwart Jesu und doch schienen sie machthungrig, arrogant und impulsiv zu sein. Die zwei Brüder kamen mit der Unterstützung ihrer Mutter und baten Jesus, ihnen in seinem Reich eine ehrenhafte Stellung zu geben, die höher als die der anderen Jünger war (Mt. 20,20-28). Bei einer anderen Gelegenheit, als ein bestimmtes samaritisches Dorf Jesus nicht aufnehmen wollte, wollten die Brüder Feuer auf das Dorf herabrufen, um sie zu bestrafen

 

(Lk. 9,52-54). Das war die typische natürliche Reaktion, die vom Ego hervorgerufen wurde. Als der Heilige Geist auf sie herabkam, wurden sie total verwandelt. Jakobus opferte sich als Märtyrer, indem er Zeugnis für den Herrn ablegte. Johannes wurde der Apostel der Liebe, der die frühe Kirche dazu mahnte, auf dem Weg der Liebe zu bleiben. Diese wunderbare Verwandlung war durch den Heiligen Geist geschehen.

Jesus hat uns aufgerufen, ihm auf dem Weg des Evangeliums zu folgen. Die Kraft, seinen Lehren zu gehorchen kommt vom Heiligen Geist, der in unseren Herzen wohnt. Deshalb das Versprechen Jesu, das er den Jüngern  und jedem, der ihm nachfolgt, gegeben hat, uns mit seinem Heiligen Geist zu erfüllen. Dieses Versprechen erfüllte sich am Pfingsttag, als der Heilige Geist auf die Apostel herabkam und sie befähigte, für den Meister Zeugnis abzulegen. Diese Salbung ist uns in unserer Taufe geschenkt und erneuert sich in jedem Moment, wo wir unser Leben in die Hände Gottes legen und beten. Jesus versichert uns: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“ (Joh. 14,18). Das gilt für jeden Moment unseres Lebens, wenn unsere Versuche besiegt werden, unsere Beziehungen angespannt sind, wir krank sind und bei jeder Gelegenheit, wo wir uns hilflos fühlen. In solchen schwierigen Momenten unseres Lebens sollten wir nicht Sklaven des Fleisches werden. Wenn wir uns im Gebet an Gott wenden, werden wir die Stärkung des Heiligen Geistes spüren, die uns freisetzt.

Mutter Maria ist die Ikone dieser geistigen Freiheit, denn ihr Leben war immer Gott hingegeben. In keinem Moment ihres Lebens war sie von den Impulsen des Fleisches besiegt. Der Gruß des Engels „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade“, offenbart uns, dass sie immer mit der Gnade des Herrn erfüllt war. Das Geheimnis der Himmelfahrt ist der glorreiche Höhepunkt dieses Lebens in geistiger Freiheit.

 

Gebet

 

Himmlischer Vater, wir danken dir,

dass du uns Mutter Maria geschenkt hast,

um auf die Momente unseres Kampfes mit den Mächten der Sünde zu schauen.

 

Da unsere Mutter das siegreiche Leben,

das Christus für uns alle gewonnen hat, gelebt hat,

sehnen auch wir uns nach einem Leben in geistiger Freiheit.

 

Schenke uns die Gnade,

unsere Herzen für eine frische Salbung des Heiligen Geistes zu öffnen, wenn wir von den Zwängen des Fleisches überwältigt werden.

 

Lass uns siegreich werden,

indem wir den guten Kampf kämpfen,

den Glauben leben, damit wir die Krone der Gerechtigkeit empfangen mögen, die auf uns wartet. Amen.

 

 

 

 

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