Heiliger Thomas Becket                                             Festtag: 29. Dezember

 

 

Thomas Becket (auch bekannt als der Heilige Thomas von Canterbury) wird als Heiliger und Märtyrer sowohl von den Katholiken als auch von den Anglikanern verehrt. Becket wurde um das Jahr 1120 geboren, als Sohn eines wohlhabenden Londoner Händlers. Als junger Mann liebte er die Jagd und andere Sportarten. Er war gutaussehend, sehr intelligent und ein angenehmer Gesprächspartner. Im Jahre 1141 trat er in den Dienst des Erzbischofs von Canterbury, Theobald, ein. In diesem Haushalt gewann er das Wohlwollen seines Vorgesetzten und wurde letztlich der engste Vertraute unter all seinen Klerikern.

 

Beckets Talent wurde von König Henry II bemerkt. Die beiden wurden enge Freunde und als Thomas 36 Jahre alt war, machte ihn der König zu seinem Lordkanzler. Als Lordkanzler von England hatte Thomas einen großen Haushalt und lebte in Pracht. Die Chronisten sprechen staunend von der Beziehung, die zwischen Thomas und dem König bestand, der 12 Jahre jünger als er war. Die Leute erklärten, dass sie ein Herz und eine Seele wären- so enge Freunde waren sie. Oftmals verhielten sich der König und sein Minister wie spielende Schuljungen. Aber obwohl sie auf die Jagd gingen und eine Armee anführten, war es keine bloße Kameradschaft zum Zeitvertreib, die sie verband. Beide waren harte Arbeiter, und beiden lag der Wohlstand des Königreichs sehr am Herzen. In vielen Dingen waren sie einer Meinung. Thomas wurde mit 36 Jahren der mächtigste Mann im großen Herrschaftsgebiet Henrys. Die imperialistische Sichtweise des Königs und seine Liebe zum Prunk waren ganz nach dem Geschmack seines Ministers. Als Thomas 1158 nach Frankreich ging, um über ein Hochzeitsabkommen zu verhandeln, reiste er mit solchem Pomp, dass die Leute sagten: „Wenn das nur der Kanzler ist, wie muss dann die Herrlichkeit des Königs selbst sein?“  

Doch Thomas war auch sehr gut zu den Armen. Obwohl er stolz und aufbrausend war, führte er viele verborgene Akte der Buße aus. Er betete stundenlang, oft bis in die Nacht hinein.

 

Als Theobald 1162 starb, wählte Henry Becket als den nachfolgenden Bischof von Canterbury. Diese Entscheidung ärgerte viele leitende Männer der Kirche. Sie zeigten auf, dass Becket nie Priester gewesen war, den Ruf eines grausamen Militärbefehlshabers hatte, und sehr materialistisch war (Becket liebte teures Essen, Wein und Kleider). Sie befürchteten außerdem, dass Becket als enger Freund Henrys II kein unabhängiges Oberhaupt der Kirche sein würde. Es würde einfach bedeuten, dass Thomas als Priester geweiht werden sollte. Doch Thomas sagte dem König, dass er nicht der Erzbischof von Canterbury sein wollte. Ihm war klar, dass er in dieser Position in direkten Konflikt mit Henry geraten würde. Thomas wusste, dass er die Kirche würde verteidigen müssen und dass das Probleme verursachen würde. „Deine Zuneigung zu mir würde sich in Hass verwandeln“, warnte er Henry. Der König achtete nicht darauf und Thomas wurde zum Priester und 1162 zum Bischof ernannt. Zuerst liefen die Dinge so gut weiter wie immer. Nachdem er ernannt worden war, begann Thomas, Mitleid mit den Armen zu zeigen. Jeden Morgen wurden 13 arme Menschen zu seinem Haus gebracht. Nachdem er ihnen die Füße gewaschen hatte, gab ihnen Thomas eine Mahlzeit. Er gab außerdem jedem einzelnen von ihnen 4 Silberpfennige.

Eine große Veränderung fand im Leben dieses Heiligen statt, nachdem er zum Erzbischof geweiht worden war. Vor Ende des Jahres 1162 streifte er alle Zeichen der verschwenderischen Zurschaustellung ab, die er früher gehabt hatte. Er war weit davon entfernt, das zügellose Verhalten der Menschen um sich herum anzunehmen. Kein Wort wurde jemals gesagt gegen seine persönliche Reinheit. Unrechtmäßiges Verhalten oder falsche Rede, Lüge oder Unkeuschheit waren ihm verhasst und er bestrafte sie ernstlich. Er schien zu jeder Zeit klare Prinzipien zu haben, unter Berücksichtigung der Ansprüche der Kirche. Selbst in dieser Zeit seiner Kanzlerschaft riskierte er mehr als einmal das Missfallen Henrys. Er ging barfuss um den Boten zu empfangen, der ihn zum Pallium Roms brachte.  Entgegen des Wunsches des Königs, legte er die Kanzlerschaft nieder.

Die Freundschaft des Königs und seines Erzbischofs wurde angespannt, als klar wurde, dass Becket jetzt für die Kirche gegen den König eintreten würde.

Diejenigen, die das Privileg eines Gerichtsverfahrens vor dem Kirchengericht suchten, waren nicht ausschließlich Kleriker. Jeder, der von einer Kirche ausgebildet worden war, konnte entscheiden, ein Verfahren vor dem Kirchengericht zu bekommen. Selbst Kleriker, die von der Kirche Lesen und Schreiben gelernt hatten, aber nicht weitergemacht hatten, um Priester zu werden, konnten das Kirchengericht wählen.  Das war zum Vorteil des Angeklagten, da die Kirche keine Strafe aussprechen konnte, die Gewalt wie Exekution oder Verstümmelung beinhaltete. Es gab mehrere Kleriker, die des Mordes oder Raubes schuldig befunden wurden, und nur eine „geistliche“ Strafe bekamen, wie Suspendierung vom Dienst oder Verbannung vom Altar.   

Der König entschied, dass Kleriker, die schwerer Verbrechen für schuldig befunden wurden, zu seinem Gericht weitergeleitet werden sollten.

Zunächst stimmte der Erzbischof Henry zu, aber nachdem er mit anderen Kirchenführern gesprochen hatte, änderte Becket seine Meinung. Henry war wütend, als Becket erklärte, dass die Kirche darin die Kontrolle behalten sollte, ihre eigenen Kleriker zu bestrafen. Der König glaubte, Becket habe ihn betrogen und wollte Rache üben. Allzu plötzlich jedoch begann der König Geld zu fordern, von dem Thomas das Gefühl hatte, es nicht rechtmäßig von der Kirche wegnehmen zu können.

 

Der König wurde immer böser auf seinen ehemaligen Freund. Er begann, Thomas harsch zu behandeln. Der König gab die Anweisung, dass die Kirche und all die Güter des Erzbischofs und seiner Getreuen konfisziert werden sollten.

Er verbannte alle Verwandten und Freunde des Erzbischofs ins Exil, wobei er keine Unterscheidung nach Rang, allgemeinem Zustand, Vermögen, Alter oder Geschlecht machte. Diese verrückte Wut ging jedoch noch weiter und führte zu Grausamkeiten, die das religiöse Ohr schockierten. Während die Katholische Kirche selbst für die Häretiker, Schismatiker und ungläubigen Juden betet, ordnete der König an, dass niemand dem Erzbischof mit seinen Gebeten helfen sollte.

Für eine Weile war Thomas versucht, etwas einzulenken. Dann wurde ihm klar, wie sehr Henry die Kirche kontrollieren wollte. Thomas tat es sehr Leid, dass er nur daran gedacht hatte, dem König nachzugeben. Er tat Buße für seine Schwäche, und hielt von da an stand.

Im Jahre 1164, als er das Ausmaß an Henrys Missfallen erkannte, floh Becket ins Exil nach Frankreich, und blieb mehrere Jahre dort. Er kam im Jahre 1170 zurück.

Unter dem Schutz des alten Feindes von Henry, König Ludwig VII, organisierte Becket eine Propaganda-Kampagne gegen Henry. Da Becket vom Papst unterstütz wurde, bekam Henry Angst, exkommuniziert zu werden. Becket exkommunizierte weiter seine Feinde in der Kirche, diese Neuigkeit gelangte auch zu Henry. Nachdem er Berichte von Beckets Handlungen erhielt, wird gesagt, dass Henry aussprach, Becket den Tod zu wünschen. Der König wird zitiert gesagt zu haben: „Wird keiner mich von diesem turbulenten Priester befreien?“

Ein paar der Ritter nahmen ihn ernst. Sie gingen los, um den Erzbischof zu ermorden. Am 29. Dezember, gerade als die Vesper begann, brachen vier Ritter in die Kathedrale ein und schrien: „Wo ist der Erzbischof? Wo ist der Veräter?” Die Mönche flohen, und der Heilige Thomas hätte leicht entkommen können, Aber er kam mutig näher und sagte: „Hier bin ich, kein Verräter, aber Erzbischof und Priester Gottes.” Sie versuchten, ihn aus der Kirche zu drängen, aber waren dazu nicht fähig. Am Ende erschlugen sie ihn wo er stand und verteilten sein Gehirn auf dem Boden. Sein treuer Gefährte, Edward Grim, der sein Kreuz trug, wurde im Kampf verletzt.

 

Die ganze christliche Welt war entsetzt von diesem Verbrechen. Papst Alexander III hielt den König persönlich verantwortlich für den Mord. Wunder begannen an Thomas Grab zu geschehen. Er wurde vom gleichen Papst im Jahre 1173 Heilig gesprochen.

6 Monate später wurde Henry II öffentlich gegeißelt am Schrein des Heiligen und gab der Kirche ihre vollständigen Rechte zurück. Thomas Becket ist der Patron der Kleriker- sowohl pastoraler Kleriker, als auch säkularer.

 

 

Reflexion zum Leben von Thomas Becket:

 

Wenn du irgendetwas an mir siehst, dass du als Fehler ansiehst, dann sag es mir unter vier Augen. Denn von nun an werden die Menschen über mich, aber nicht mit mir reden.

Es ist gefährlich für Menschen mit Macht, wenn sich niemand traut ihnen zu sagen, dass sie auf dem falschen Weg gehen.

 

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