Das Leben des Hl. Vinzenz von Paul

 

Vinzenz von Paul wurde am 24. April 1581 in Pouy, dem heutigen Saint-Vincent-de-in Frankreich als 3. von 6 Kindern geboren. Er wuchs als Bauerssohn in einer armen Familie auf und lernte so schon früh die harte Arbeit der Bauern kennen. Vinzenz wies in späteren Gesprächen immer wieder darauf hin, dass er in seiner Kindheit und Jugend Schweine gehütet habe.

 

Um die Familie finanziell unterstützen zu können, war schon bald klar, dass Vinzenz Priester werden sollte. Sein Vater verkaufte dafür ein paar Ochsen um das teure Studium zu bezahlen. So begann Vinzenz bereits mit 15 Jahren sein Studium bei den Franziskanern in Dax. Im Jahr 1597 wechselte er zur Universität von Toulouse und wurde mit 19 Jahren zum Priester geweiht.

 

Von nun an konnte man meinen, dass seine Zukunft planmäßig verlief und er ein geregeltes Priesterleben führen konnte mit gesichertem Einkommen, Ansehen und Ruhm. Sein ursprüngliches Ziel war nämlich Karriere zu machen. Doch es kam anders. Er durchlebte in den darauffolgenden Jahren sehr viele Höhen und Tiefen. Auf einer Reise nach Marseille geriet Vinzenz bei einer Geldeintreibung in Gefangenschaft und wurde auf dem Sklavenmarkt in Tunis verkauft. Insgesamt 2 Jahre verbrachte Vinzenz in Gefangenschaft und gelangte nur durch eine Flucht wieder nach Frankreich.

 

Zurück in Frankreich bekam er die Stelle des Hofkaplans bei Königin Margarete. Er bekam die Aufgabe des „Almosenverteilers“ am Hof zugeteilt und wurde durch diese Aufgabe einerseits mit sehr viel Elend und Not konfrontiert. Auf der anderen Seite bewegte sich Vinzenz fortan in einer Welt der Galanterie und der Intrige. Diese zwei komplett unterschiedlichen Welten, in denen er sich täglich bewegte führten bei Vinzenz zu einer großen Glaubens- und Sinneskrise. Er erkannte, dass er nicht seiner eigentlichen Berufung folgte sondern andere immer mehr über sein Leben bestimmten. Zufriedenheit und Ruhe fand er hingegen, wenn er anderen helfen konnte und sich den Armen annahm. Diese wichtige Erfahrung prägte von nun an sein Leben und brachte eine große Veränderung mit sich. Von nun an gab Vinzenz sein Leben voll und ganz in die Hände Gottes.

 

Während der Zeit am Hof (1611) lernte Vinzenz den Priester und späteren Kardinal Pierre de Berulle kennen. De Berulle war sehr um die Erneuerung des christlichen Glaubens in Frankreich bemüht und nahm sich dem Priester Vinzenz von Paul sehr an. Vinzenz wurde nur für kurze Zeit Priester in Clichy und wurde anschließend auf Anraten von Berulle Hauslehrer bei der Familie Gondi. Er übernahm in dieser Zeit die Rolle des Erziehers und Beichtvaters. Immer mehr wurde ihm während dieser Zeit klar, dass seine eigentliche Berufung der Dienst an den Armen war.

 

Ein einschneidendes Erlebnis war, als Vinzenz zu einem Sterbenden gerufen wurde und ihm die Sterbesakramente und eine Lebensbeichte abnahm. Der Kranke teilte später Madame Gondi mit, dass er ohne diese Beichte nicht auf das ewige Heil hoffen hätte dürfen, da er immer Angst davor hatte, seine wirklichen Sünden zu beichten. Vinzenz erkannte fortan die seelische Not der Bürger und übernahm von diesem Zeitpunkt an intensivere seelsorgerische Aufgaben und begann Volksmissionen abzuhalten. Er forderte vor allem zur Umkehr und Buße auf.

 

Vinzenz fühlte sich fortan in seinem neuen Aufgabenbereich besser aufgehoben, fühlte aber immer noch eine innere Unruhe und Unzufriedenheit. Wieder wendet er sich an Berulle und hoffte auf seine Hilfe. Dieser vermittelte ihm eine Stelle als Priester die seit einiger Zeit vakant war. Nun war Vinzenz mit 5 anderen Priestern in einer 600-Einwohner Gemeinde tätig. Erschreckend stellte er fest, dass die Priester auf die unterschiedlichsten Art und Weise die Hl. Messe zelebrierten und noch nicht einmal die Absolutionsformel beherrschten. Dies war für ihn ein äußerst unbefriedigender Zustand und er nahm sich vor mit Hilfe eines Gleichgesinnten Priesters Veränderungen hervorzubringen.

 

  

 

Vinzenz hatte kurz darauf ein weiteres sehr prägendes Erlebnis in seinem Leben:

unveränderte Kanzlei

 

Während er sich zur Hl. Messe einkleidete wurde ihm berichtet, dass eine Familie in große Not geraten war, da alle krank seien und niemand da war, der den anderen helfen konnte. Im Herzen tief berührt von dieser Not, predigte er während der Hl. Messe unter anderem von dieser Familie. Abends als er diese Familie besuchte, wurde sein Herz wieder tief berührt, allerdings von lauter Freude, denn das ganze Dorf hat sich auf den Weg gemacht dieser Familie zu helfen.

 

 

 



Der Hl. Vinzenz war überwältigt von der Hilfsbereitschaft und der Liebe der Menschen in seinem Dorf. Er erkannte, dass es nicht an der Liebe fehlte sondern vielmehr dass man diese Liebe organisieren musste und zur wirksamen Hilfeleistung anleiten müsse.

 

Genau 3 Tage später gründete er die erste Caritasbruderschaft. Der Grundgedanke bestand darin, Arme und Kranke zu besuchen, sie zu pflegen und mit allem Notwendigen zu versorgen.

 

Er wies die helfenden Frauen darauf hin, alles in wirklicher Liebe zu tun, als ob es sich um ihren eigenen Sohn – besser noch mit Gott – zu tun hätten, der das Gute, das sie den Armen erweisen, so wertet, als ob es ihm selbst erwiesen worden wäre. Außerdem sollen die Frauen ein Kruzifix mitnehmen und es so anbringen, dass es der Kranke sehen kann.

 

Es gab genaue Anweisungen, wer wie viel Nahrungsmittel erhalten sollte, wann es ausgegeben werden sollte und wann es gegessen werden soll. Der Organisationsplan von Vinzenz war bis ins kleinste Detail durchdacht und funktionierte bestens. Vinzenz wollte so verhindern, dass kranke Menschen in Spitäler abgeschoben wurden, sondern dass sie so lange wie möglich in ihren eigenen Wohnräumen gepflegt werden konnten.

 

Schnell sprach sich seine große Liebe zu den Bedürftigen und sein Organisationstalent herum. Madame Gondi bat Vinzenz von Paul zurückzukommen um auch auf den Ländereien der Gondis Volksmissionen zu halten. Mit Hilfe von anderen Priestern begab er sich in seine neue Aufgabe geistige und soziale Not zu lindern. Da dies eine sehr große Aufgabe war und auch alles wieder organisiert werden musste, gründete Vinzenz von Paul eine Priestergemeinschaft, deren Hauptsitz in Saint Lazare war. Aus diesem Grund werden die von ihm gegründeten Missionspriester auch Lazaristen genannt.

 

Kaum ein Jahr später gründete er den Orden der „Töchter der christlichen Liebe“. (Filles de la Charite) oder auch Barmherzige Schwestern genannt.

 

Nun hatte Vinzenz von Paul die Möglichkeit geschaffen, die Not anderer sowohl geistiger als auch sozialer Art zu lindern. So wurden z.B. Werkstätten für arbeitslose und alte Handwerker eingerichtet, den Bauern Saatgut zur Verfügung gestellt. Die Barmherzigen Schwestern verteilten täglich an Tausende Menschen Speisen. Mit großem Aufwand versuchte er die finanziellen Mittel aufzubringen, um den Menschen weiterhin helfen zu können. Vinzenz verstand sich als Knecht seiner Aufgabe, die er mit großem Mut versah, wohl wissend, dass nicht er selbst der Grund dieser Kraft war, sondern der mitleidende und mittragende Christus. Vinzenz von Paul hat sich komplett mit ganzer Hingabe den Armen zugewendet.

 

Vinzenz ertappte im Jahr 1638 in Paris einen Bettler, der ein kleines Kind verstümmelte umso später beim Betteln mehr Einnahmen zu erlangen. Vinzenz war erbost, befreite das Kind und gründete bald darauf gegen alle Schwierigkeiten das Findelkinderwerk.

 

 

Vinzenz von Paul lebte nach dem Grundsatz: „Die Armen sind unsere Herren“

So sagte er einst: Die Armen sind unsere Herren. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass wir uns in diesem Zimmer befinden. Es ist keine Übertreibung, sie so zu bezeichnen, denn in den Armen ist uns der Herr gegenwärtig“.

 

Mit dieser Formel unterstreicht er, dass die Besitzlosen ein Recht auf unsere Unterstützung und Hilfe haben. „Gott ist der Erschaffer und der rechtmäßige Eigentümer aller Güter“.

 

Vinzenz von Paul hat sein Wort wahr gemacht: „Lieben wir Gott, auf Kosten unserer Arme und im Schweiße unseres Angesichtes.“

 

Obwohl er ein vielbeschäftigter Mensch war, fand er die Zeit stundenlang in Anbetung und innerem Gebet zu verbringen.

 

Das innere Gebet ist eine Erhebung des Herzens und Geistes zu Gott. Die Seele löst sich gleichsam von sich selbst, um Gott in sich zu suchen. Es ist ein Gespräch der Seele mit Gott. Und die Seele wiederum vertraut ihrem Gott in stiller Zwiesprache ihre Bitten an, so wie er es selbst sie gelehrt hat.

So kostbar ist das innere Gebet, es gibt nichts Wichtigeres.“

 

Vinzenz von Paul ließ keine Gelegenheit aus, den armen Menschen zu helfen. Egal ob Kinder, Bettler, Gefangene, Ausgestoßene, allen erzählte er von der barmherzigen Liebe des Vaters. Er wusste wonach der Mensch im Tiefsten hungerte.

 

„Man verlässt Gott nicht, wenn man zu einem Hilfsbedürftigen geht, denn man findet ihn dort wieder. Das gerade ist Gottesdienst“,

 

 

 

                        

Lebensdaten

 

1581                Geburt (24.04.1581)

1600                Priesterweihe

1605 -1607       Sklaverei in Tunis

1600 -1608       Suche nach geistlicher und materieller Sicherheit

1617                Gründung caritativer Frauenvereinigung

1625                Gründung der Priestergemeinschaft (Lazaristen)

1633                Gründung der „Gemeinschaft der Töchter der christlichen Liebe“, später Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul

1638                Findelkinderhilfswerk

1639 - 1652      Missionarische Aufgaben in vielen Ländern

27.09.1660       Gestorben

 

1737                 Heiligsprechung durch Papst Clemens XII

 

 

 

Quellen: Vinzenz von Paul / Krankenhaus Rottenmünster

               Vinzenz von Paul aktuell / Otto Schnelle

               Die Armen sind unsere Herren / Otto Schnelle

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